–  37885 Zugriffe
Bilder
Außenansicht
475 605 Außenansicht
Innenansicht
475 605 Innenansicht Weihnachtszug
Video
Link zum externen Videoportal Youtube

Beschreibung

(a) Allgemeines über die Bauart Stadtbahn

Nach dem Probetrieb auf den nördlichen Vortortstrecken nach Bernau, Oranienburg und Velten begann die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) mit der Entwicklung eines Fahrzeugtyps für die geplante „Große Elektrisierung der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen". Die Erfahrungen mit den Vorserienfahrzeugen der Bauart 1925 (Oranienburg) flossen in die Entwicklung mit ein: die "Stadtbahner" erhielten leichtere Wagenkästen und eine bessere elektrische Ausrüstung. Die DRG beauftragte sechs Herstellerfirmen, welche als Lieferkartell die Großserie fertigen sollten.

Der Probezug traf 1927 in Berlin ein, im selben Jahr begann die Serienfertigung. Bis 1931 wurden insgesamt 1276 Wagen geliefert. Damals ein Rekord! Die Wagen kamen von den Firmen in das neu errichtete Reichsbahnausbesserungswerk Berlin-Schöneweide und wurden dort elektrisch ausgerüstet. Am 6. Juni 1928 wurde der elektrische Betrieb auf der Strecke Potsdam—Erkner feierlich eröffnet.

In den folgenden Jahrzehnten bildeten diese Fahrzeuge das Rückgrat der Berliner S-Bahn und wurden mehrfach modernisiert. So fuhren die Stadtbahner in Form der Baureihe 476/876 noch bis ins Jahr 2000 durch Berlin und das Umland. Diese Einsatzzeit von über 70 Jahren ist absolut untypisch für ein Schienenfahrzeug und war auch der besonderen politischen Situation in Berlin geschuldet.

Die Fahrzeuge bestanden anfangs aus Trieb- und Steuerwagen (461 Viertelzüge), um zwei Wagen als kleinste betriebliche Einheit nutzen. Der große Erfolg des neuen Verkehrsmittels bewirkte ein Umdenken: Die Reichsbahn bestellte die restlichen Viertelzüge mit Beiwagen anstelle von Steuerwagen. Etliche Steuerwagen wurden ab 1942 zu Beiwagen umgebaut.


Wir wollen wieder fahren.


(b) Informationen zu diesem Fahrzeug

Nach dem Streik der Westberliner Reichsbahner 1980 und der teilweisen Einstellung des S-Bahnbetriebs im Westteil der Stadt übernahmen ab 1984 die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Betrieb. Zur Verfügung standen zunächst nur Fahrzeuge der ältesten Bauart Stadtbahn. Diese betagten Züge wurden in Wannsee und bei der Waggon-Union grundlegend modernisiert, wobei man sich im Design traditionsbewusst zeigte: Die Holzbänke wurden überwiegend weiterverwendet.

In diesem Zustand waren Fahrzeuge der Bauart Stadtbahn noch bis zum 21. Dezember 1997 im Fahrgasteinsatz bei der Berliner S-Bahn, als sie mit einem großen Abschiedsfest in den Ruhestand gingen. Der Verein hat seit diesem Tag den Viertelzug 475/875 605 (Trieb- und Steuerwagen) in Pflege und betreute ihn auf Sonderfahrten.

Der Viertelzug befindet sich seit 2021 in Aufarbeitung. Er soll nach Abschluss der HU als Versuchsträger als erstes historisches Fahrzeug mit dem neuen Zugsicherungssystem ZBS ausgerüstet werden.

 

Technische Daten
Bauart Stadtbahn
Baujahr 1928
Einsatzzeit 1928 – 1997, danach Museumszug
Antriebsleistung 4 Motoren je 90 kW
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
Wagenlänge (über Kupplung) 5.460 mm
Sitzplätze 104
Zustand erhalten im Zustand des letzten Betriebsjahres 1997, funktionsfähig/fahrfähig