Drucken
–  14088 Zugriffe

Bilder
Außenansicht
ET 165 231
Innenansicht Triebwagen 165 471
Innenraum 165 471
Innenansicht Steuerwagen 165 231
Steuerwagen 165 231 Innen
Video
Link zum externen Videoportal Youtube

Beschreibung

(a) Allgemeines über die Bauart Stadtbahn

Als am 8. August 1924 der elektrische Betrieb auf der Vortortstrecke Bernau und im Folgejahr nach Oranienburg begann, suchte die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) nach einem geeigneten Fahrzeugtyp für die geplante „Große Elektrisierung der Stadt-, Ring- und Vorortbahnen". Die Versuchszüge und die Bauart Bernau erwiesen sich schnell als wenig geeignet. Erst die Bauart Oranienburg brachte den Durchbruch: gleichlange Trieb- und Beiwagen, alle Achsen des Triebwagens waren angetrieben. Aus den vierzehn Herstellerfirmen wählte die DRG sechs aus, welche als Lieferkartell die Großserie fertigen sollte, die eine Weiterentwicklung der Bauart Oranienburg darstellte: leichtere Wagenkästen, bessere elektrische Ausrüstung. Der Probezug traf 1927 in Berlin ein, im selben Jahr begann die Serienfertigung. Bis 1931 wurden insgesamt 1276 Wagen geliefert. Bis heute ein Rekord! Die Wagen kamen von den Firmen in das neu errichtete Reichsbahnausbesserungswerk Berlin-Schöneweide und wurden dort von den Elektrofirmen AEG und Siemens (als Lieferantenkartell unter dem Namen Wasseg zusammengeschlossen) sowie Bergmann Electricitäts-Werke (BEW) und Maffei-Schwarzkopf-Werke (MSW), ebenfalls eine Liefergemeinschaft, ausgerüstet.

Die Fahrzeuge der Serienlieferung bestanden – wie schon der Probezug – anfangs aus Trieb- und Steuerwagen (461 Viertelzüge). Wegen des sich abzeichnenden großen Erfolges des neuen, seit 1930 so bezeichneten Verkehrsmittels S-Bahn, änderte die Reichsbahn die Bestellung in Bei- statt Steuerwagen (173 Viertelzüge), weil es kaum notwendig war, die Züge als kleinste betriebliche Einheit, dem Viertelzug, fahren zu lassen. Die Steuerwagen wurden ab 1942 durch Entnahme der Führerstandsausrüstungen zu Beiwagen umgebaut; später entfiel der Führerstandsraum zugunsten von Sitzplätzen, und statt der Fenster wurden Bleche eingebaut.

Mit den neuen Fahrzeugen begann am 6. Juni 1928 der elektrische Betrieb auf der Strecke Potsdam—Erkner, der ersten im Rahmen der Großen Elektrisierung. In den folgenden Jahrzehnten bildeten diese Fahrzeuge das Rückgrat der Berliner S-Bahn und wurden mehrfach modernisiert. So fuhren die Stadtbahner in Form der Baureihe 476/876 noch bis ins Jahr 2000 durch Berlin und das Umland. Diese Einsatzzeit von über 70 Jahren ist absolut untypisch für ein Schienenfahrzeug und war auch der besonderen politischen Situation in und um Berlin geschuldet.


(b) Informationen zu diesem Fahrzeug

Nachdem Ende der 1980er Jahre bereits ein Halbzug der Bauart durch die Reichsbahn (äußerlich) in den Auslieferungszutstand versetzt wurde (Museumszug), folgten kurz darauf zwei weitere Viertelzüge. Diese wurden als Traditionszug bezeichnet und bestanden aus den Viertelzügen ET/ES 165 231 (ab 28.2.1990 im Dienst) und ET/EB 165 471 (seit 19.7.1990) im Dienst. Äußerlich waren die Wagen im zustand der 1940er bis 1980er Jahre hergerichtet. Sie behielten ihre charakteristischen Schlussleuchten ("Oberwagenlaternen" - Owalas) und das einzelne Spitzenlicht. Während der Steuerviertelzug 165 231 aus Gründen des Fahrkomforts Polsterbänke erhielt, sieht 165 471 innen dank der Holzbänke rustikaler aus.

Bei einer Entgleisung im Sommer 2008 verunfallte der Viertelzug 165 471, wobei sein Beiwagen derart beschädigt wurde, dass eine Reparatur erheblichen Aufwand bedeuten würde. In die gleiche Zeit fiel der Beginn der S-Bahn-Krise, wodurch Arbeiten an den historischen Fahrzeugen ausblieben.

Im Sommer 2014 entschied sich der Verein, den Triebwagen 165 471 als Ersatz für den Triebwagen 165 231 nach Erkner zu holen. Es entstand somit ein "Mischfahrzeug" aus ET 165 471 und ES 165 231. Es wird hier langfristig eine Wiederinbetriebnahme angestrebt.

Technische Daten
Bauart Stadtbahn
Baujahr 1928
Einsatzzeit 1928 – 1989, seit 1990 Museumszug
Antriebsleistung 4 Motoren je 90 kW
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h
Wagenlänge (über Kupplung) 5.460 mm
Sitzplätze  
Zustand der Triebwagen zeigt die Zeit der 1950er bis 80er Jahre, der Steuerwagen zeigt Innen die späten 80er Jahre; funktionsfähig/fahrfähig