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Ein erster Versuch – die Bauart Bernau

Bilder
ET 169 in den 1940er Jahren
Außenansicht im Einsatz
Kopfteil 169 005b
Triebwagenkopf 169 005b
Beiwagen Bernau bei Umsetzung
erhaltener Beiwagen bei einer Umsetzung im Jahr 2011

Beschreibung

Schon im Jahr 1913 hatte die preußische Staatsregierung ein Gesetz zur Elektrifizierung der Stadt-, Ring- und Vorortstrecken beschlossen. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg wurde das Projekt erst Anfang der 1920er Jahre in Angriff genommen und es wurden ab 1922 sechs elektrische Versuchszüge gebaut, die sich die in der Anzahl und Größe der Türen, der Fenster sowie der Sitzplatzanordnung unterschieden.

Für die Erprobung der neuen Fahrzeuge nutzte man ab 1924 die Vorortstrecken nach Bernau, weil diese bereits vier Gleise hatte und so ein vom üblichen Dampfbetrieb unabhängiger Probebetrieb möglich war. Am 8. August 1924 fuhr zum ersten Mal eine elektrische S-Bahn auf der Strecke Stettiner Vorortbahnhof nach Bernau (b Berlin). Auch wenn das Verkehrsmittel erst ab Dezember 1930 unter dem Namen S-Bahn vermarktet wurde, gilt der 8.8.1924 als Geburtsstunde der Berliner S-Bahn.

Mit den Versuchszügen gewann man wertvolle Erfahrungen, es entstand eine erste Fahrzeugserie, die Baureihe 169. Es wurden 17 Halbzüge bestehend aus jeweils zwei langen, vierachsigen Triebwagen und drei zweiachsigen Beiwagen. Die Züge wurden auf den drei Nordstrecken nach Bernau, Oranienburg und Velten eingesetzt und waren im Betriebswerk am Stettiner Bahnhof beheimatet, später fuhren sie vom BW Papestraße aus auf dem Nordring nach Gartenfeld.

Nach dem Kriegsende wurden nur wenige Fahrzeuge weiter eingesetzt, zumal sie wegen ihrer Maße nicht in den Nord-S-Bahntunnel einfahren konnten. 1956/57 wurden die verbliebenen Halbzüge modernisiert und die technisch und sogar äußerlich der Bauart Stadtbahn angeglichen, indem der komplette Triebwagenkopf ersetzt wurde. So waren die „Bernauer“ noch bis 1962 im Einsatz. Später wurden Bauteile aus 14 Triebwagen für den Bau der U-Bahnwagen des Typs E III-2 verwendet.

Ein 1967 entstandener Gerätezug auf Grundlage eines Fahrzeuges dieser Bauart ist funktionsfähig erhalten geblieben und befindet sich im Vereinsbesitz.

Außerdem besitzt der Verein drei Beiwagen der Bauart Bernau sowie den Kopfteil des Triebwagens ET 169 005b, der nach seiner Ausmusterung 1943 im Werk Schöneweide abgestellt war.

Technische Daten
Bauart Bernau (Baureihe 169)
Baujahr 1924
Einsatzzeit 1924 – 1962
Antriebsleistung  
Höchstgeschwindigkeit 70 km/h
Wagenlänge (über Kupplung) Triebwagen:
Beiwagen:
Zustand Triebwagen nur als verwittertes Fragment erhalten, drei Beiwagen
ohne Inneneinrichtung rollfähig.